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Sonntag, 9. Dezember 2012


 
Alles übertrieben

 

Ein Hausarzt hatte einen Traum

Von einem kleinen Praxisraum

Von Menschen die er lieb betreut

Für die er keine Arbeit scheut

Von Anerkennung, Lob und Lohn

Was man halt träumt, Sie wissen schon

 

Dann, grell erwacht, sieht er die Massen

Von kranken Menschen aller Kassen

Im Wartezimmer dampft der Frust

Dem Arzt entflieht die Arbeitslust

Minutentakt für kranke Leute

Wie oft er diesen Mist  bereute…

 

Papiermüll aus dem Kassenrohr

Quillt ungebremst und brüsk hervor

Begräbt den Hausarzt der noch grunzt

Sein Lebensplan ist längst verhunzt

Erpressung, Druck und Gängelei

Der Traum des Arztes ist vorbei.

 

 

Der Junge sieht den Alten an

Und fragt sich ob er auch so dran

Als junger Hausarzt auf dem Land

Erpresst, bedroht und ausgebrannt

Vielleicht ist alles übertrieben

Entscheide selbst, ganz nach Belieben.

Sonntag, 25. November 2012

Die KV Bayern will nun "grossherzig" die Hausärzte von den Regressen verschonen. Wenn ein eklatantes Unrecht beendet wird, dann ist die Angelegenheit damit noch nicht erledigt. Selbst, wenn alle KV Zentralen der Länder erkennen würden, dass die Anzahl der  Landarztwilligen so drastisch abnimmt, dass der Bedrohungsabbau  dringend ist, es wäre erstens zu spät und zweitens wäre das schon begangende Unrecht an den Ärzten damit noch nicht entschädigt.
Das Ziel darf nicht nur sein
Sofortiger Regress-Stop!
sondern zwingend:
Entschädigung für alle Regressopfer!
 
Regresse sind ein unglaubliches Erpressungsmittel. Im folgenden Blog sind die Details.


 

Der Regress und die Schuld, die er hinterlässt.

 

Dr. Müller ist nebenberuflich beratender Mitarbeiter in einer speziellen Abteilung der KV. Er berät die einfachen Hausärzte dabei, keine Fehler bei der Verschreibung zu machen, die andernfalls zu so genannten Regressstrafen führen können, das sind oft 5-stellige und damit ruinierende Eurostrafen. Eine Art Gericht mit Kassen- und KV-Mitarbeitern besetzt, bedroht den Arzt. Und Dr. Müller soll ihn davor bewahren.

Auf den ersten Blick ein löbliches Unterfangen. Er hilft anderen Ärzten, keine Fehler zu machen. Er bewahrt sie quasi vor Unbill.

Erst bei genauem Hinsehen erkennt man das Problem. Kollege Müller ist nicht Helfer der Bedrohten Kollegen sondern ein Unterstützer in einem perfiden Unrechtssystem. Oder wie sollte man  die Arbeit  eines  Rechtsanwaltes in einem Unrechtssystem  bewerten? Ist er Nutznießer  des Unrechtes, in dem er ihm den Anschein der Legalität gibt oder ist er ein letztes Bollwerk gegen die Willkür? Vielleicht denkt Dr. Müller nicht genügend über die Folgen seines Handelns nach?

Die Grenze zwischen Anklägern (Kasse und KV) und  Dr. Müller, dem  Helfer des bedrohten Arztes, ist gar keine Grenze. Da sitzt nicht Staatsanwalt und Verteidiger. Nein, der Arzt sieht sich einem Gremium gegenüber, dass sich in wichtigen Punkten einig ist, beide Parteien folgen dem Credo, dass die Geldstrafen für unerwünschtes Rezeptieren der Ärzte gerechtfertigt sind. Beide suchen die so genannten Verfehlungen des Arztes zu finden und ignorieren, dass hier gar keine vorliegen.

Natürlich wird beflissen behauptet, der “Kassen-Arzt” habe die wichtige Pflicht mit dem Geld der Allgemeinheit sorgsam umzugehen und wenn er hier einen Verschwendungsschaden erzeuge, dann müsse er leider den Schaden ersetzen, das sei doch nur recht und billig.

 

Diese griffige aber auf einer Reihe unrechter Voraussetzungen aufgebaute These ist populistisch und so falsch wie gefährlich. Diese Praxis ist unrecht und unbillig. Die Denkfehler dieses in weiten Kreisen abgenickten Modells sollen gleich dargestellt werden.

Der einzige Schaden der wirklich entstanden ist,  ist die Bedrängung eines Arztes. Durch Drohung mit einer Geldstrafe wird er dreist zu kassenerwünschtem Verschreiben erpresst.  

 

Sehen wir uns einen Arzt an der vor den “Wirtschaflichkeitsausschuss” geladen wird.

Dieser Opferarzt sollte unter Anwendung von äußerem Druck das Interesse seiner Patienten verleugnen um selbst horrenden Geldstrafen zu entgehen.  Er war nicht geschickt genug oder er handelte zu sehr im Sinn seiner Patienten, deswegen muss er sich nun einer Prüfungskommission  stellen, die über ihn urteilen wird.

In keinem Fall jedoch hat er die Interessen seiner Patienten missachtet. Das wird auch von niemandem behauptet. Seine finanzielle Vernichtung droht, weil er nicht genug Geld aus der Behandlung seiner Patienten abgeführt hat. “Einsparen” ist ein Euphemismus. Wer beim Erhalt von Gesundheit spart, der bewirkt eher schlechtere Behandlung als bessere. Das Einsparen hat primär keine die Heilung fördernde Wirkung. Der Schaden, der durch Billigverschreiben entstehen kann, soll hier beschrieben werden.  Für das Resultat ist wieder der Arzt juristisch haftbar und nicht die Kasse und KV, die ihn dazu bedrängen.

Das frei werdende Geld wird natürlich nicht zweckgebunden für Patienten verwendet. 

Man findet es aber wieder, es ist sogar sehr gut sichtbar. Jeder kann es betrachten, in Form von gläsernen Prunkbauten der Kassen. Strahlend und mächtig recken sich Paläste architektonischer Kreativität in den Himmel. Wer in die Chefetagen vordringen darf, sieht edle Innenarchitektur, geschmackvolles Ambiente und die Verwirklichung von feiner Ästhetik, die in den modernen hellen Räumen residiert. Man sieht die finanzielle Kraft und Selbstdarstellung eines Privatunternehmens, das jedoch von gesetzlichen Beiträgen lebt. 

Das Geld taucht auch an verborgeneren Stellen wieder auf. Man sieht es in geschickter Dotierung hochrangiger Kassenvertreter, die sich selbst astronomische Rentenansprüche durch günstige Fusionsentscheidungen sichern. Der Bürger, gewöhnt an die betrügerische Finanzwirtschaft blickt resignierend weg. Dabei wird ihm dadurch direkt das Geld für medizinische Hilfen entzogen.

Das Geld aus den eigentlich treuhänderisch zu verwaltenden Zwangsbeiträgen wird auch  umgeleitet in plumpe  Mitgliederwerbung mit dümmlichen Lockangeboten, die mit einem Mäntelchen aus Pseudomedizin verdeckt werden.

Bauchtanzgruppen für junge Mütter, Italienkurlaube und Wellness-Hotels mit Kassenzuschuss verhöhnen die harte Arbeit der Landärzte und ihren ernst gemeinten  Sparwillen.

Die Geldverschwendung der Kassen kommt demgegenüber dreist und in aller Öffentlichkeit daher.

Es wird nirgends die Bedeutung der Tatsache diskutiert, dass 90% der Bürger starre Zwangsbeiträge abführen. Geld, das kein Ausdruck freier Wahl ist, kein Beitrag an ein Privatunternehmen. Genau deswegen aber wären Kassen zu einem für alle sichtbaren, bescheidenen Umgang mit den krisenfesten “Daueraufträgen”  ihrer Mitglieder verpflichtet.  Wäre hier eine Sparpflicht, wie das bei “unverdient” erhaltenem Zwangsgeld logisch sein müsste, Milliarden könnten in die Patientenversorgung sinnvoll umgeleitet werden. Wie so manche Finanzämter äußerlich daherkommen, so müssten Krankenkassengebäude aussehen. Langweilige Bürogebäude ohne Schmuck und Extravaganz. Das wäre ein Zeichen von Anstand und Redlichkeit. Ein praktischer und preiswerter Einheitsbaustil müsste  für alle diese Kassengebäude kennzeichnend sein.  Fertigbausysteme statt  Dubaifantasien.

An der unverfrorenen Ausgabe von Geldern die zur Genesung kranker Menschen gedacht waren, in eindrucksvolle Prunkgebäude im teuersten Innenstadtbereich, erkennt jeder reflektierende Deutsche, welche Interessen hier schamlos bedient werden.

Die Manager der Kassen müssten selbstverständlich verbeamtet werden, denn sie gehen mit Staatsgeld um, das natürlich so wie Steuern zu behandeln ist. Jeder Bürger sieht doch, wie sein Krankenkassenbeitrag ohne jede Diskussion von ihm eingefordert wird. Exakt so wie eine Steuer. Die Bezüge der Manager dürfen sich nicht an Einnahmen in der freien Wirtschaft orientieren. Besonders große Kassen entlohnen ihre Chefs mit Summen, wie sie in der Privatwirtschaft bezahlt werden. Das sind dann so genannte „Managergehälter, an deren Fantasiehöhe der Bürger schon gewöhnt ist. Bizarre Zahlen, die nur noch von den „Piratenschätzen“ von Hollywoodstars getoppt  werden. Die Einkommen von Direktoren  der Finanzämter orientieren sich dagegen überhaupt nicht an der Höhe der  dort erhobenen Steuerbeträge. Was unterscheidet  den Chef der einen von dem der anderen Einrichtung? Nur die Möglichkeit, sich an den  vorbei streichenden Geldern  zu bedienen. Der Bürger wäre

von einer finanzamtgleichen Struktur, bei entsprechend  eingesparten Gehältern sofort zu überzeugen. Die aber dort üppig alimentierten Kostgänger sind von den angenehmen Lebensumständen in den oberen Kassenetagen schon so verwöhnt, dass sie niemals eine Rückstufung auf die Ebene von Beamten hinnehmen würden.

 

Die Kassen werfen dem Arzt nun ihrerseits Verschwendung vor. Ihm, der den eigentlichen und zentralen Auftrag der Heilung verfolgt. Der Mediziner muss sich täglich und ohne Anlass, routinemäßig mit großem Arbeitsaufwand durch akribische EDV-Dokumentation seines Sparwillens gegen den permanenten Generalvorwurf der Geldvergeudung wehren. In einer klassischen Vorratsdatenspeicherung werden sämtliche Daten über die Verschreibung ständig gesammelt. Bei einer  Verletzung des gigantischen und völlig  unmedizinischen Vorschriftendschungels werden die vom Arzt selbst erhobenen Daten schlagartig gegen ihn verwendet.

Diese Dauerbedrohung vergiftet ein einstmals kooperatives Arbeitsmodell zwischen Arzt und Kasse.

 Die große finanzielle Belastung durch die Arzneiausgaben wird von Politik und Kassen polemisch dem Arzt angelastet. Zwei Begriffe werden dabei absichtlich unscharf eingesetzt.

Diese Begriffe heißen “Verantwortung” und “Verursachung”.

Der Arzt sei für die Rezepte verantwortlich. Er würde damit die Kosten “verursachen”. Dieses Bild ist so oft in den Medien wiederholt worden, dass es nicht mehr hinterfragt wird. Es ist aber falsch. Sehen wir uns die Begriffe genauer an.

 

Verantwortung.

Der Arzt ist für die medizinisch korrekte Behandlung verantwortlich, nicht für die Kosten der Pillen. Sein Rezept ist eigentlich eine Empfehlung an den Patienten ein bestimmtes Medikament einzunehmen. Seine Expertise ist die Therapieentscheidung. Die Kosten können niedrig oder hoch sein. Das kann er nicht beeinflussen. Die Kasse nun sollte eigentlich die Kosten für das Rezept erstatten, so wie das bei Privatpatienten für alle sichtbar abläuft.

Weil es aber die Verwaltung entlastet und weil es dem Patienten Umstände erspart, wurde diese Erstattung der Rezeptkosten von den Kassen grundsätzlich gewährt. Die Entscheidung war aber durch die Kassen selbst so gefallen. Darin ist natürlich das Risiko verborgen, dass die Medikamentenkosten, weil sie von den Kassen ungeprüft durchgewunken werden, für die jeweilige Kasse zu hoch werden. Die Kostenhöhe wird von der Zufälligkeit von Erkrankungsfällen bestimmt . Von deren Medikamentenkosten und deren Häufigkeit. Daran kann aber der behandelnde Arzt nichts ändern. So etwas ist ein Risiko für das man eben eine Versicherung hat. Wenn die Kasse die Rezepte für zu teuer erachtet, dann müsste sie selbst diesen Einspruch äußern. Aber bevor das Rezept eingelöst wird, nicht danach. Der Arzt hat seinen medizinischen Teil korrekt erfüllt. Er hat seinen fachlichen Rat für eine bestimmte Therapie gegeben. Deren preiswerter Ankauf und deren Erstattung ist Kassenaufgabe, nicht Arztaufgabe.

An dem Aufwand, den eine Prüfung der jeweils preiswertesten Verschreibung im Nachgang machen würde, kann man die Umstände und die Kosten erahnen, die das verursacht. Wie bequem war es da, einfach den verschreibenden Arzt zum Kostenverantwortlichen zu erklären. Man spart immense Gelder und ist die Verantwortung für die Ausgabenkontrolle scheinbar losgeworden. Das konnte nur geschehen weil die unbedarften Ärzte das hinnahmen. Dieses Kuckucksei müssen sie wieder aus ihrem Nest werfen. Wie das praktisch funktionieren kann soll anschließend beschrieben werden.

 

Verursachung.

Der Arzt verursacht nicht den Einsatz der Medikamente, die Ursache für den Medikamentenbedarf ist die Krankheit des Patienten.

So etwas ist allerdings viel sperriger und komplexer als der populistische Vorwurf, die Ärzte hätten auch dieses Jahr wieder die auf soundso viele Milliarden angewachsenen Medikamentenkosten verursacht. Das Denken ist in Schablonen wie Schuld und Sühne viel einfacher und angenehmer, als in Ursachensuche, die nicht in persönlicher Schuld gipfelt.

Weil die Ursache der Medikamentenkosten die jeweilige Krankheit ist, muss ein Schicksal hingenommen werden an Stelle der publikumsbefriedigenden Schuld. Das Konzept eines Schicksals ist auch juristisch unangenehm, weil es hier zu keiner Verurteilung mit anschließendem Anwaltshonorar vom Schuldigen kommen kann.

 

Die Lösungen des Kostenproblems.

Hätte das Gesundheitsministerium oder die Kassen das primäre Interesse die Medikamentenausgaben zu vermindern, es gäbe hervorragende Lösungen. Die wären aber nicht im politischen oder im Kasseninteresse. Die Politik pflegt leider  die Interessen von einflussreichen und wohlhabenden Gruppen im Land. Das ist dann allerdings nicht mit Kostensenkung im Gesundheitssystem vereinbar. Weil es gelingt, die Ärzte als Verschwender von Versicherungsgeldern zu denunzieren, braucht man an den wirklichen Hebeln nichts zu bewegen.

Politisch ist die große Zahl der deutschen mittelständischen Unternehmen, die Medikamente an- und verkaufen erwünscht. Alle diese Unternehmen üben Einfluss aus. Eine Einsparung der Kosten könnte erreicht werden, in dem an Anstelle von 15 inhaltsgleichen aber anders benannten Pillen, nur eine von den Kassen bezahlt würde. Die vielen bunten Schachteln würden vom Markt gefegt und mit ihnen die daran verdienenden Unternehmen.

Welcher Politiker hält diesem Lobbydruck stand?

Die Kassen profitieren vom gegenwärtigen System. Jeder Tag, der ihnen die Kostenverantwortung erspart und sie dem Arzt zusammen mit Regressbestrafung überlässt, ist ein guter und lukrativer Tag für die Kassen.

Weil sich die Ärzte nie konkret und spürbar gegen die unbillige Bedrängung wehrten, nahm die Einflussnahme auf ihr Verschreiben kontinuierlich zu. Kein Wille zum Bewahren des einst freien Berufes, kein Widerstand wurde für die Kassen und die KV spürbar.

Die Verwischung der Zusammenhänge von “Verantwortung” und “Verursachung” rechtfertigten es scheinbar,  den einzelnen Arzt zur Verantwortung zu zitieren und die von ihm scheinbar verursachten Kosten anzuprangern. Die Maßstäbe denen er zu genügen habe, wurden nicht an medizinischen Werten orientiert, sondern an von Außen diktierten wirtschaftlichen Vorgaben. Die Daumenschrauben der mit Geldstrafe ausgestatteten Bedrängung wurden immer weiter nachgezogen.

Wo anfangs das so genannte “wirtschaftliche Verschreiben” noch dadurch quasi “erreicht “ wurde, dass der Prozentsatz besonders preiswerter Medikamente bei zB 60% lag, so wurde die “Latte” bis zur Straffreiheit  einfach immer höher gehängt. Inzwischen ist der Anteil dieser Generika schon bei 85%. Diese Zahl ist  kein Zeichen schlechter Medizin, der Weg wie sie erreicht wurde aber schon, nämlich mit finanzieller Drohung und Druck.

Ein teureres Schmerzmittel, das in der Anwendung für den Patienten sicherer ist, als ein entsprechendes billigeres, darf der Arzt nicht verschreiben. Beispielsweise darf er Schmerzpflaster, die weniger Gefahren bergen als Tabletten nur einsetzen, wenn der Patient nicht mehr schlucken kann. Die individuelle Entscheidung wird dem Arzt nicht mehr erlaubt. Er wird durch Strafandrohung zum Billigverschreiben gedrängt.

Die Rechtfertigungsversuche für den hier aufgebauten Druck, sind eine unglaubliche Verdrehung der Zusammenhänge. Der Arzt hat die von der Kasse willkürlich festgesetzte “Einsparmenge” entweder aus der täglichen Patientenversorgung zu entwenden oder den Betrag aus seinen Einnahmen selbst zu entrichten. Dies ist weder recht noch billig. Es widerspricht den bestehenden Verantwortlichkeiten.

Besonders durchsichtig wurde die Manipulation, als man mit der Forderung viele Generika zu verschreiben nicht zufrieden war und auch noch auf das rein betriebswirtschaftliche Ziel verwies, bestimmte Wirkstoffe beispielsweise um 20% seltener zu verschreiben als bisher. Daran erkennt man die plumpe Einmischung in die Medizin. Niemand darf einem Arzt vorschreiben, bei seinen Patienten 20% weniger von einem wichtigen und wirksamen Medikament zu verschreiben. Es wird aber dennoch widerstandslos so ausgeführt. “Wirtschaftlich” verschreibt ein Arzt nach diesen betriebswirtschaftlichen Vorgaben nur noch, wenn er immer weniger verschreibt. Das erinnert an den Scherz über den Bauern, der seiner Kuh das  Fressen abgewöhnen wollte in dem er ihr immer weniger gab, ganz knapp bevor er das Ziel erreicht hatte war sie tot.

Leider geht es hier um leidende Menschen. Aber niemand stört sich wirklich daran. Als besonders hämischer Trick wird die Verantwortung für die Behandlung immer beim Arzt belassen. Der wird zwar bedroht aber er müsse der Drohung ja nicht nachgeben, er könne sich ja immer letztlich noch vor Gericht dagegen wehren.

 

Es ist für einen Arzt ein untragbarer Konflikt, gleichzeitig ein Medikament geben zu wollen und es aus Kostengründen verweigern zu müssen.

Das ist so, wie der Feuerwehrmann der vorne den brennenden Kindergarten löschen will, er kann nicht auch noch den Job haben hinten das Löschwasser abdrehen zu müssen, wenn es zu teuer wird.

 

Das sind klassische Rollenkonflikte.

 

Eine solche Mechanik der Arztenteignung und Arztbeschuldigung konnte nur durch juristische Winkelzüge entstehen. Der wichtigste davon war die Festlegung, der Kassenarzt sei zu  “Wirtschaftlichkeit”  verpflichtet. Niemand wird leugnen, dass redlicher Umgang mit fremden Geldern verlangt werden kann. Aber es ist etwas anderes, was damit als “Trojaner” eingebracht wurde. Es wurde eine persönliche Haftung für die Billigstverordnung jedes einzelnen Rezeptes verfügt. Wer wegen Centbeträgen zu einer Summenhaftung sämtlicher Medikamente herangezogen wird, wer diese Aufrechnung alle 3 Monate vorgehalten bekommt, der ist persönlich haftender Prüfarzt der Kassen geworden. Eigentlich hält sich die Kassenlandschaft in Deutschland zum Prüfen aller möglichen Kostenstellen den „Medizinischen Dienst der Krankenkasse“, den MDK. Weshalb nun werden die MDK-Ärzte nicht auch  in persönliche Haftung genommen, so wie die Niedergelassenen? Sie sind doch nur zum Einsparen angestellt?

Weil dann niemand diese Arbeit leisten würde.

Das Übergeben des Sparens an die Ärzte in eigener Praxis ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Es ist zwar die rationellste Lösung aber  sie macht den Arzt in manchen Situationen zu einer gespaltenen Persönlichkeit. Er muss billigere und damit oft genug schlechter passende Medikamente hergeben, wo er um die besseren und teureren weiß. Aus realer Furcht vor drakonischen Strafen verschreibt er aber so schlecht wie ihm geheißen wird. So etwas ist Bedrängung und Erpressung zu Verschreibung als Selbstverteidigung.

Natürlich ist aus Sicht der Kassen der Arzt selbst optimal positioniert, das Geld, welches er für seine Patienten ausgeben soll gleich wieder für die Kassen einzubehalten. Das ist für Ersteren ein Spagat und für Letztere praktisch. Aber “Bequemlichkeit” für den mächtigeren Partner darf nicht mit “richtig” verwechselt werden.

Es kommt doch auch niemand auf die Idee zu sagen, dass bei Tarifverhandlungen nur der Arbeitgeber die Löhne festsetzen soll und die Gewerkschaft das akzeptieren muss.

Etwa deswegen, weil der Arbeitgeber richtig positioniert ist, er hat die Firma, er ist ideal qualifiziert, er kennt die Bilanz aber das wichtigste ist, er hat andere Interessen als der Arbeitnehmer.

Interessenkonflikte werden in Verhandlungen auf Augenhöhe ausgeglichen. Die Bequemlichkeit zählt dabei nicht! Diktaturen sind auch die bequemste politische Struktur. Für den Diktator.

 

Was könnte praktisch getan werden um die Ärzte aus ihrem Interessenkonflikt zwischen Dienst am Menschen und Schutz vor Strafzahlungen zu befreien?

Der auf der Hand liegende Weg ist die Trennung der Personen, die für die verschiedenen Interessen eintreten müssen.

Der Arzt muss für die Behandlung verantwortlich sein.

Die Kostenkontrolle muss an die Kassen zurückfallen.

 

Der Ablauf der Verschreibung kann dennoch fast störungsfrei verlaufen. Problemlos verschreibbare Generika könnten in Form einer Positivliste ausgewiesen werden. Wer diese Medikamente für seine Patienten wählen kann, hat keinen Widerstand zu erwarten. Bei einer ausgewählten Gruppe kritischer Medikamente würde ein Genehmigungsvorbehalt bestehen, der online über einige Fragen per Mausklick bearbeitet werden könnte. Das würde 80% der Problemfelder abdecken. Der Rest könnte vom MDK erledigt werden, wenn das kosteneffizient wäre. Verlängerungen von Physiotherapierezepten zB oder Rezepte die im Nachhinein häufig vor dem Sozialgericht landen, solche  “Off Label Use” Medikamente könnten vom MDK verschrieben oder vorenthalten werden.  Wenn das dann nicht wirtschaftlich ist, muss es eben unterbleiben. Damit wäre den Regressen die Grundlage genommen. Die Illegalität der bisherigen Regressbestrafungen wäre damit allerdings noch nicht aufgearbeitet.

Außerdem wären einige Maßnahmen durchführbar, die große Summen beim Verschreiben sparen würden und gleichzeitig die Arzneimittelsicherheit deutlich erhöhen würden.

 

1. Der Arzt verschreibt die gewünschte Zahl der Medikamente, keine starren “Mülleimermengen” N3 oder Kleinstmengen N1, die nur für das Notdienstwochenende reichen.

2. Der Arzt bekommt aus einer Positivliste höchstens 2 oder 3 verschiedene Markennahmen von einem Wirkstoff, den er verschreiben möchte und nicht 20 Markennamen von Anbieter A bis Z (wie Zaster).

Die Auswahl der sinnvollen Wirkstoffe übernimmt eine nüchterne wissenschaftliche Einrichtung. Solche neutralen Arzneibewertungsstellen gibt es schon.

3. Der Apotheker füllt die angegebene Zahl der Pillen in kleine langweilige braune Plastikfläschchen mit kindersicheren Schraubverschlüssen, klebt ein von ihm ausgedrucktes Etikett drauf und fertig. Es hätte ein Ende mit den 20 bunten Schachteln pro Wirkstoff, mit “Das mit der gelben Schachtel will ich auch Herr Doktor, das nimmt mein Nachbar auch!” Und es hätte ein Ende mit endlosem Lobbyistendruck auf die “Gesundheitsexperten” der jeweiligen Regierung um jeder Pharmahandelsfirma einen Platz am gedeckten Tischlein zu ermöglichen. Wenn man allerdings weiß, wer an der bisherigen Praxis wie viel Geld verdient, dann weiß man auch was passieren wird. Nichts!

 

4. Der Arzt müsste ein so genanntes Dispensierrecht erhalten. Der Arzt würde die Medikamente in seiner Praxis abgeben. So wie die Ersatzteile von Autos in den Autowerkstätten bereitgehalten werden, so wäre es logischerweise auch beim Arzt.  Es ist für über 90% der Medikamente völlig problemlos, eine Lagerhaltung in den Praxisräumen des Arztes zu ermöglichen. Das in Deutschland geübte Verbot der Aushändigung von Medikamenten beim verschreibenden Arzt ist reinster Lobbydruck der Apotheker und stellt den Patientenbedarf auf den Kopf. Die Gründe für die Apothekenpflicht sind reinste Geldverschwendung zum Schaden der Allgemeinheit und zum Nutzen der Apotheker.

 

 

Die  persönliche Haftung für die Kosten eines hohen öffentlichen Gutes durch Strafzahlungen gibt es nur in Deutschland und dort auch nur beim ärztlichen Verschreiben.

Zigtausende Menschen verwalten bei uns öffentliche Gelder zum Nutzen der Bürger. Niemand wird dafür in persönliche Haftung genommen. Es sei denn, ein kriminelles Handeln wäre nachweisbar. Diese eklatante Ungleichbehandlung skandalös. Der für diese Verletzung der ärztlichen Handlungsfreiheit Verantwortliche ist die Ärztekammer, denn sie hat es hingenommen. Selbstverständlich versickert dieser Fehler im porös blasierten System der homöopathischen Verdünnung von Verantwortung eines  kafkaesken Systems.

 

Der Anschein von Recht in einem grotesken Unrecht konnte gewahrt bleiben, weil alles was bei zu kurzem Nachdenken logisch erscheint, bereits in ein Verfahrensrecht gegossen wurde und damit „geregelt“ ist. Diese Regel heisst SGB5. Dort sind die Bedrängung des Kassenarztes und des Hausarztes im Besonderen akribisch beschrieben.

Wer es sich einfach machen will, der kann auf dieses Gesetz verweisen und alles was mit den Ärzten geschieht damit gut heißen. Spätestens aber beim Anblick der Prüfungsgremien, ihrer Zusammensetzung und der Prüfabläufe, sollte beim kritischen Betrachter ein Unbehagen keimen. Jeder Mensch mit Gerechtigkeitsgefühl und besonders jeder niedergelassene Arzt sollte spüren, was hier passiert.

 

In den Prüfungsgremien  in denen Jahre nach der jeweiligen Rezeptabgabe die einzelnen Medikamente den Ärzten zur Bezahlung aufgebürdet werden wird eine scheinjuristische Scharade exerziert. Verwaltungsangestellte haben Stimmrecht bei einem Scherbengericht über den Arzt. Alle Täter sehen danach weg, wenn ein Arzt bis zum Ruin finanziell bestraft wird und die anderen, arbeitenden Ärzte diese Strafandrohungen als ganz reale Erpressung erleben. Allein die Drohung ist ein wirksames Mittel zur Manipulation des Verschreibens tausender Ärzte.

 

Vor dem Hintergrund dieser Verbiegung einst aufrechten ärztlichen Verhaltens, zum Schaden der Patienten und zum Nutzen der Bilanz Geld verschwendender Kassen, wird das Fehlverhalten des eingangs erwähnten Kollegen Müller offenbar.

Kollege Müller meint, dass er zwar ganz brav alle Regeln des SGB5 beachtet, als wären es Verkehrsregeln. Es macht aber einen Unterschied aus, bei was man mitarbeitet. Sich nur auf die Regeln zu berufen ist zu wenig. Müller sollte aus dem System aussteigen. Er sollte erkennen dass er sich schmutzig macht.

Er sieht zwar, welche Schäden dieses Strafsystem oft erzeugt aber redet sich ein,            doch wenigstens bei den angeklagten Ärzten zu sein, ihnen zu helfen keine Fehler zu machen.

Hat es gereicht in der DDR Rechtsanwalt zu sein und Menschen vor Gericht zu verteidigen?

Kollege Müller gibt mit seiner persönlichen Seriosität dem Gesamtverfahren einen Anschein von Honorigkeit. Aber Menschen mit Anstand und Gewissen machen bei so etwas nicht mit.

Wenn er erst einmal wirklich verstanden hat, wie zutiefst unrecht mit den deutschen Ärzten umgegangen wird, dann wird er nicht nur sein Amt als Ärzteberater der KV niederlegen, sondern er wird Schadensersatz für alle bisher zu Regressen verurteilten Kollegen fordern.

Erst wenn mit Macht ein Schadensersatz gefordert wird und die ersten beschädigten Ärzte Entschädigung für das erfahrene Unrecht erhalten haben, ist ein Weg zur Genesung beschritten. Es ist nicht nur nötig diese Praxis der Ärztedemütigung zu beenden, sondern das begangene Unrecht aufzuarbeiten.

 

 

 

 

Ein Hausarzt spürt den scharfen Hieb,

der Krankenkasse, die ihm schrieb:

Es sei  ihr fester Kassenwille

Der Hausarzt zahlt jetzt vierzig Mille

Das Geld soll nicht nur ihn bestrafen

Es droht auch allen andern Schafen

 

Es führt der ganzen Herde vor

Rezepte sind ein Eigentor

Wer ohne Pillen heilen kann

Der ist der Kassen liebster Mann

Benutzt er das Rezept, das teure

Bespritzt man ihn mit Geldstrafsäure.

 

Man tunkt ihn in Regressigsaft

Schafsdumm schweigt die  Kollegenschaft

Der letzte Optimismus bricht

Beim Gang vor das Sozialgericht.

Der deutsche Hausarzt raunt betroffen:

„Wer diesen Job will ist besoffen.“

 

Mittwoch, 31. August 2011

Der deutsche Hausarzt ist ein Gummibär






Ein Hausarzt, wenn er mutig wär
hätt` mehr Stolz als ein Gummibär.



Ein Gummibär ist richtig billig,
du greifst nach ihm und er ist willig.



Du machst Dir wirklich keinen Kopf
nur wegen diesem Gummitropf.



Der deutsche Hausarzt ist elastisch
sein Rückgrat biegt sich ganz phantastisch



Er ist nur glatt, ist nirgens spitz,

statt Einfluss hat er höchstens Witz.



Statt Beine hat er kleine Knollen,

nur weil die niemals flüchten sollen.



Politisch darf er farbig sein
da darf er gerne deftig schrein.





Doch klagt er dass sein Lohn nicht fair,
lacht man ihn aus als Gummibär.






Donnerstag, 18. August 2011

Was Versicherungen von Hausärzten halten

Ein typisches Erlebnis mit einer Versicherung!
Und gleichzeitig ein Maßstab für die Bewertung der erbrachten Leistung des Arztes:
Schreibt mich doch eine Versicherung wegen eines Patienten an und will ein kurzes Statement über einen Patienten, um sein Police-Risiko einschätzen zu können. Da soll ich nur mal kurz die wichtigsten Diagnosen angeben und mal eben kurz sagen, ob ich ihn für gesunc halte.
Man würde mir dafür 10 ,-€ geben.

Ich hab den Hörer in die Hand genommen und dort angerufen. Na klar war das wertlos. Aber ich dachte mir, wenn ich schon draufzahle, dann wenigstens nicht ohne Protest.
Wenn ich alleine die ganzen Praxisunkosten zusammenrechne, was ja von den 10 € abgezogen werden muss, um den Gewinn vor Steuern zu bekommen, dann ist bei dem Heraussuchen der Akte, der Diagnosen und bei der Einschätzung ob ein kurzer oder langer Bericht erfolgen muss, schon so viel Zeit vergangen ( ca 15 Min) dass ich mit 10.-€ in den roten Zahlen bin. Von Bezahlung für meine Arbeit noch gar nicht zu reden.
Und so eine 10.-€ Ohrfeige ist Standard! Und niemand erregt sich? Alle nicken das ab und machen weiter. Kein Wunder, dass die Versicherungen sich die Hände reiben und ihre Kalkulationen in Zukunft auf dieses Ausgabenniveau fixieren. Die halten die Arbeit des Arztes dann genau für jene Sorte von Zettelausfüllen oder Abstempeln wie es in den Medien gern gezeichnet wird. Ich fände es besser, wenn wir gleich einen fünf Euro Schein mit in den Umschlag legen würden und uns bedanken für die Ehre, einen solchen Brief an die Versicherung schreiben zu dürfen. Das wäre der kleinere Teil des entstandenen finanziellen Verlustes. Aber es zeigt auf, was wir Hausärzte in den Augen jener Gesellschaften wert sind. Ein Trinkgeld.
Was wurde da alles verpennt, unfassbar.

Mittwoch, 4. August 2010

Warum müssen Ärzte für die Unfähigkeit der Führungskader bluten?

Ich bleibe da an dem Begriff hängen den ich beim Sparen immer wieder höre: “ Auch die Ärzte müssen ihren Anteil erbringen”.
Wenn man es mal transponiert in den Bereich der Bauwirtschaft wird deutlich was ich meine:

Ein skrupelloser “Baulöwe” wickelt die Banken um seinen gierigen Finger und beginnt ein Projekt nach dem anderen, dessen Finanzierung auf der Hoffnung basiert, eines Tages kommt genügend Rendite herein um die Schulden zu bedienen. Während er so misswirtschaftet wirkt er nach außen toll. Die modernsten Baumaschinen hat er geleast, alle sind fasziniert von der scheinbaren Leistungsfähigkeit des Betriebes. Dann kommt die Wahrheit ans Licht. Der Konkursverwalter erhält Teile des Unternehmens aber er kann die vielen in Vorleistung gegangenen Lieferanten und die vielen Subunternehmer natürlich nicht voll befriedigen. Was passiert mit den vielen Handwerksbetrieben, die ihr Geld nur zu einem Bruchteil erhalten?

Die bluten für die wirtschaftliche Unfähigkeit, die Verschwendungssucht und das Vorspiegeln falscher Tatsachen.

Jeder spürt, dass diesen braven Leuten das größte Unrecht angetan wurde.
Genau so ist es mit den niedergelassenen Ärzten, die “beteiligt” werden am stückweisen Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Auch sie können nichts für das Versagen der Entscheider ganz oben im System. Auch sie arbeiten hart und gehen in finanzielle Vorleistung mit ihren Betrieben auch sie bekommen ihr Einkommen gekürzt ohne an den Fehlentscheidungen dort oben beteiligt gewesen zu sein.

Auch die Politik geht mit den Geldern wirtschaftlich unverantwortlich um die sie betreuen sollen, auch die Kassen vergeuden das Geld für vom therapeutischen outcome unbewiesene Dinge, wie Mutter-Kind-Kuren, Homöopathie, Bezahlung für Heilpraktiker, Stempelgeld für wertlose “Checkuntersuchungen” bei unter 35 Jährigen und versicherungsfremde Leistungen, wie Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall.
Und auch die Politik betreibt Vorspiegeln falscher Tatsachen in dem sie gebetsmühlenartig die Lüge wiederholt es könne alles für alle weiterhin bezahlt werden.

Dieses Blutenlassen von Abhängigen für die Fehler der Manager ist illegal. Der Baulöwe Schneider wurde dafür wenigstens verurteilt.
Bei uns kann man aber (selbst von den betroffenen Ärzten unwidersprochen) die in sich falsche Behauptung weitertragen, auch Ärzte “müssten” sich an den Kürzungen beteiligen.
Das gesamte System befindet sich wegen gallopierender Unfähigkeit in seinen Chefetagen in einem Zustand permanenter Insolvenz. Das hat nur noch keiner bemerkt.
Ein so schlecht geführter Betrieb wie dieser von Rösler und Friends erhält Milliarden an Zuschuss um zu überleben aber keiner findet das verdächtig. Man ist das in diesem Schuldenparadies eben gewöhnt. Ich sage der Laden bricht gerade zusammen.

Sonntag, 25. Juli 2010

Die Lampenkisten oder Sprechende Medizin




























Ein Hausarzt der mit seinem Geld
sich eine Praxis hingestellt,
Schafft sich , weil er das endlich kann,
so manche teure Kiste an.
An einer Kiste sind die Kabel,
gedacht zum Anschluss an den Nabel

Die andere hat lauter Lampen,
die leuchten rot bei dicken Wampen.
Die dritte piepst ihm digital,
wenn sich verstärkt des Menschen Qual.
So sammelt sich viel Mobiliar,
in weißer Farbe übers Jahr.

Weil so ein Kistlein teuer ist
und Manches vom Gewinn wegfrisst,
falls es ihm nicht mit Witz gelingt,
dass er es in die Arbeit zwingt.
Darum sucht er verständlich nun,
für seine Kisten was zu tun.

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit
verschob sich deutlich mit der Zeit.
Zuvor war er ein Detektiv,
der zuhörn konnte intensiv.

Jetzt nennt man ihn den Spezialisten
für weiße Kabel-Lampen-Kisten.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Ein Hausarzt ist grad in Gedanken,
die sich um eine Krankheit ranken,
als ihn am Ärmel etwas sticht
und stark verkrampft bis ins Gesicht.
In hochrasanter Art und Weise
gehn magisch Dinge auf die Reise,
die eigentlich am Kranken kleben,
wie der sonst nur am eignen Leben.

Verantwortung für fettes Prassen
und jahrelanges Unterlassen,
von Sorge um das eigne Wohl,
fließt in den Arzt als wär der hohl.
In diesem kurzen Glücksmoment
die Last sich vom Patienten trennt.
Ab jetzt kann er mit Vorwurf grollen:
Das hätte Doktor sagen sollen!

Sollte es ihm mal schlimm ergehn,
hatte der Arzt was übersehn.
Auf jedem tragischen Verlauf
steht fett ”der Arzt hat Schuld” darauf.
Der kleine Stich am Arm war magisch,
die Folgen für den Arzt sind tragisch.
Der Krankenkassen kleine Karten
lassen die Neubewertung starten.
Berühr den Doktor mit dem Ding
und alle deine Pflicht ist hin.
In Rückschau lässt sich immer finden,
ein Zeitpunkt der zum Unterbinden
des Dramas scheinbar übersehen.

Jetzt muss man halt zum Anwalt gehen!

Sonntag, 11. Juli 2010

Homöopathie sollte nicht von den Kassen bezahlt werden

Menschen, die nicht ernstlich krank sind, können sich die Beschäftigung mit Homöopathie noch leisten, Menschen die verzweifelt krank sind, greifen nach ihr als letztem Strohhalm, Menschen die krank sind und Hilfe von der akademischen Medizin erwarten können, werden selten Zeit mit den Zuckerkügelchen oder Wässerli vergeuden. Bestes Beispiel ist die Notfallmedizin. Homöopathie ist keine ernst zu nehmende Medizin sondern ein Placeboeffekt mit hohen Vorschusslorbeeren. Homöopathie sollte nicht von den Kassen bezahlt werden.

IN DER NOT FRISST DER TEUFEL ZUCKER

Ein Hausarzt kommt ins tiefe Grübeln,

er spürt er muss es ihm verübeln.

Wen er da meint? Seinen Patienten!

Den, der sich schon wollt frühberenten.

Der will das Maximum von allem,

doch Kosten dürfen nicht anfallen.

Er sei der Meinung als Patient,

dass er die rechte Kur nun kennt.


Homöopathie nach Hahnemann

hilft mehr als was der Hausarzt kann!

In jeder Lage, gleich wie schwer

muss künftig dessen Küglein her.

Der Hausarzt stellt sich grinsend vor,

dass sein Patient, ein rechter Tor,

dann einst mit blutend großen Wunden

den Notarzt fordert, schwer geschunden.

Und dann erscheint mit Blaulicht nein,

kein Facharzt sondern`s Kügelein.


Montag, 5. Juli 2010

Tolle Bilanz: Einkommen unkalkulierbar, Regressbestrafung jederzeit möglich!



Niedergelassene Ärzte bekommen ja ihre geleistete Arbeit zu einem großen Teil nicht bezahlt, das wird in der Wortblase “Leistungsbegrenzung” ausgedrückt.
Wir bekommen einfach einen völlig willkürlichen Teil (unter Vorwand der Regelkonformität) vorenthalten.
Ich verlange dafür zumindest eine Spendenquittung!!!
Ständig ändert sich das wahnhafte Regelwerk, die Komplexität nimmt zu und wird immer undurchschaubarer. Der Zusammenhang zwischen meiner harten Arbeit und dem Lohn daraus ist verloren. Dieses Gefühl, ein völliger Spielball in den Händen Anderer zu sein macht mich wütend. Meine von der Leistung unabhängige Entlohnung nimmt die Motivation und damit jede unternehmerische Risikobereitschaft.
Das ist der finanziell existentielle Alltagsfrust.

Darauf setzt sich die Missachtung der ärztlichen Leistung.
Sie ist in der Entwertung der Arzt-Patienten-Beziehung zu erkennen, die sich aus den “Regress”Bedrohungen ergibt.
Da nimmt man mit Strafandrohung auf meine ärztliche Entscheidung unerlaubten Einfluss. Wenn ich sehe, dass ein Patient zu einfach strukturiert ist um billigere aber anspruchsvoller zu benutzende Medikamente zu verwenden, dann werde ich in der “Wirtschaftlichkeitsprüfung” “auffällig”. Im günstigsten Fall kann ich durch wochenlange Vorbereitung auf das dann kommende Tribunal die Bestrafung abwehren, vielleicht aber auch nicht und muss dann die durchschnittlich 40 000.- € pro Verfahren bezahlen.
Und das Schlimmste: Keine alte Socke in der Ärztekammer erregt sich darüber.
Wenn sich zB mal ein Mafioso in die Praxis stellt und mir sagt: “komm Junge, lass das Omeprazol stecken, der Patient kriegt nichts, sonst blase ich Dir die Birne weg”dann würde das wahrscheinlich auch keiner mehr seltsam finden. Wir sind ja schon Jahre daran gewöhnt mit konkurshohen “Regress”-Strafen zum Andersverschreiben gezwungen zu werden.
Das wäre dann juristisch sicher auch “ein verständliches Interesse des Gemeinwohls” was in der richterlichen Bewertung vor meinem Interesse auf ärztliche Unabhängigkeit stünde.

Sowohl unser fremdbestimmtes unkalkulierbares Einkommen, als auch der Verlust der ärztlichen Entscheidungsfreiheit durch “Regresse” sind Zeichen von Machtlosigkeit.
Ich will die Macht über meine Angelegenheiten zurück!

Wir Ärzte in eigener Praxis sind anders als die Krankenhauskollegen in besonderer Weise hilflos. Wir haben Unternehmerrisiko und Kreditverpflichtungen auf uns genommen um überhaupt erst einmal unseren Beruf als Niedergelassener Arzt ausüben zu können! Wir sind damit auf eine besonders strake Interessenvertretung angewiesen, die uns vor Willkür schützen sollte. Aber wir haben keine Gewerkschaft!! Die Krankenhausärzte haben den MB. Wir haben das Gegenteil.
Die “KV” setzt kein Machtmittel für uns ein, nein sie beteiligt sich aktiv an der Entwicklung oder Ausführung aller jener Absurditäten gegen uns. Manchmal glaube ich, sie wollen die Bruchfestigkeit der arbeitenden Ärzte austesten, wenn sie jetzt auch noch eine zusätzliche 160 Seiten starke Kodiervorschrift auf unsere Köpfe werfen. Ich habe noch immer große Freude an der Arbeit als Landarzt aber die bewahre ich wie ein Kerzenlicht im Sturm des Wahnsystems. Ceterum censeo KV esse delendam.

Samstag, 3. Juli 2010

Wenn Du pleite bist, kostet der Doktor nix!

Stellen Sie sich mal vor, kommt ja niemals vor aber so als Gedankenmodell: Die Wirtschaft ginge in die Knie, die Bundesagentur für Arbeit müßte deutlich mehr arbeitslose Menschen in ihren Räumen versorgen/ helfen und motivieren. Der Urlaub der Mitarbeiter wird nicht mehr locker gegeben, denn es knackt im Gebälk... ständig kommen neue Hilfesuchende.
Weil die Wirtschaft einknickt, geht das Steueraufkommen zurück. Die Finanzen, die der Bundesanstalt für Arbeit zur Verfügung stehen, werden immer weniger.
Unangenehme Situation: Weniger Geld und mehr Arbeit für die Angestellten!
(kennt das jemand von den Niedergelassenen?)

Jetzt kommt der neue Arbeitsminister auf die logische Idee: Wenn im Etat des Bundesministeriums für Arbeit weniger Geld vorhanden ist, dann muss im Bundesministerium für Arbeit weniger ausgegeben werden.

Wenn man sparen muss, dann muss man wohl auch im eigenen Haus Kosten reduzieren.... also kürzt der Mann die Ausgaben für sein Personal!

Das kommt nicht vor.

Haben Sie jemals davon gehört, dass bei Problemen der Finanzierung der Arbeitslosengelder der Bund seinen Mitarbeitern beim Arbeitsamt die Bezüge kürzt???? ? Definitiv NEIN!


Ärzte aber werden selbstverständlich bei Finanzengpässen des Gesundheitssystems zu einem “Beitrag” herangezogen..Als wäre eine Logik darin, dem Leistungserbringer weniger zu bezahlen, wenn die Geldbörse des Leistungsabforderers schlechter gefüllt ist.

Werden den Soldaten im Auslandseinsatz die Gelder gekürzt, wenn das Bruttosozialprodukt sinkt?

Ich bin völlig platt, wie unwidersprochen sich die Ärzte das Geld wegnehmen lassen, für Leistungen die sie real erbracht haben.

Wenn ein Gipser seine Arbeit beendet hat und ihm der Bauherr sagt, er habe wegen irgend welcher Gründe weniger Geld, dann bleibt der Anspruch des Gipsers bestehen, zur Not über den Gerichtsvollzieher... Der Arzt aber wird selbstverständlich an der miserabel durchdachten Finanzierung des Gesundheitssystems und an deren roten Zahlen “beteiligt”. Wo bleibt diese “KV”???? Naja, es war ja zu erwarten, dass hier keine Hilfe, sondern nur Geschwätz kommt, wie immer eben.


Wir haben Leistung erbracht. Der Schuldner kann sie nicht bezahlen. Wir haben einen Anspruch auf das Geld, dass diese Leistung kostet.

Natürlich wird das Privileg der Kassenärzte genannt. Ein AOK-Versicherter kann nur zu einem Kassenarzt gehen, wenn er Gelder aus der AOK genießen will... Er bekommt keine AOK-Hilfen, wenn er zu einem Geistheiler oder sonstigem Guru geht. Das ist aber keine GNADE der Kassen, die dem Arzt "erlaubt" den Patienten zu helfen. Es ist die Leistung des Arztes, die zur Behandlung der Patienten das Wichtigste! ist.
Würde man die Finanzierung ohne Ärzte anbieten, die unbehandelten Menschen würden es laut beklagen.
Würde man die Ärzte ohne Entlohnung anbieten, die Ärzte würden im Angesicht der Not trotzdem helfen.

Daran sieht man den Unterschied der beiden Positonen.
Es bleibt dabei, ein Arzt hilft dem Patient aber die Entlohnung wird einfach nach “Kassenlage” abgeschnitten. Und das ist unverschämt.

Es geht wirklich nicht um die Gehaltsforderungen der niedergelassenen Ärzte, es geht um etwas viel Banaleres. Es geht darum, dass Ärzte, die Arbeiter in dem System sind einen ganz normalen Anspruch auf Entlohnung haben.

Ärzte sind getrennt von den Krankenkassen!
Es sind die Krankenkassen, die kein Geld mehr haben, weil sie allen alles versprochen haben und jetzt ihr Scheitern eingestehen müssen, nicht die Ärzte.
Glauben Sie dass die Brötchen billiger werden, weil Sie gerade weniger Geld inder Tasche haben?

Dienstag, 29. Juni 2010

Dem Bürokratiedrachen wuchs ein neuer Kopf


Für die Bayern als Mitarbeiter beim Pilotprojekt geht am 1.Juli 2010 der Wahnsinn schon etwas früher los, als für alle andern. Wir sollen jetzt also eine noch genauere Übersetzung von Diagnosen in Zahlen vornehmen. Ein Katalog von 161 Seiten schreibt akribisch vor, was zu tun sei. Der KV-Chef Dr Köhler flötet uns zu, dass dies doch nur zu unserem Nutzen sei. Erst wenn wir die Diagnosen genau benennen, kann man unsere Leistung genau bezahlen. Dann hätten “Wir” (damit meint er kumpelhaft uns arbeitende Ärzte und ihn den Interessenvertreter des Gesundheitsministeriums, hier sogar der Kassen) etwas in der Hand um den Kassen gegenüber unsere Anstrengungen und damit unser Honorar zu begründen.
Das glaubt Herrn Köhler kein niedergelassener Arzt mehr. Das Interesse an dieser irrwitzigen Kodierfummelei liegt doch ganz auf Seiten der Kassen. Die wollen über diese Diagnosen besondere Gelder bekommen (RSA). Bisher benutzten sie die DMPs (die teuersten 4 Krankheiten wurden von den Ärzten schon als DMP-Erkrankung markiert) und jetzt soll es noch bequemer gehen. Die DMP-Programme werden dann wohl in der Versenkung verschwinden, wie so vieles Andere an Bürokratieflocken. Was auch verschwindet ist unser Verdienst an den DMPs. Für das Kodieren bekommen wir kein angemessenes Honorar, da wird es nur Abzüge für zu wenig Kodieren geben! Das ist ja auch das in Deutschland beliebtere System: Peitsche statt Zuckerbrot. Jetzt werden nur noch für jene Diagnosen Honorar bezahlt, die bestimmte Therapien oder bestimmte Diagnostik ausgelöst haben. Das routinierte Abschätzen der Beinödeme oder der Dyspnoe eines Patienten durch den langjährigen Hausarzt ist noch Null Cent wert, weil es keine Kodierung dafür gibt. Wenn der Patient wegen anderer Gründe in die Praxis kam wird man nur roboterhaft dokumentierbare Abläufe honoriert bekommen. Danke Herr Köhler.
Wenn es um die Fata Morgana “angemessene Bezahlung für ärztliche Leistung” wirklich ginge, dann wären die Diagnosen wahrlich nicht das probate Mittel. Für so manchen gut eingestellten chronisch Kranken mit mehreren so toll kodierbaren Chroniker-Diagnosen wendet man wenig Zeit auf, weil er kooperiert und für so manchen, nur mit einer einzigen Diagnose wie Demenz oder Alkoholabusus hat man Arbeit ohne Ende, weil die Familie beraten werden muss und immer wieder Krisen auftreten.
Man spürt also wieder einmal die Absicht und ist verstimmt. Wer ernsthaft das Ziel der gerechteren Vergütung anstreben wollte, der müßte anders rangehen. Anders mit dem gesamten Themenbereich umgehen. Das Wort “gerechte” Vergütung kann nicht in einem ungerechten Biotop von Wegelagerern namens “Leistungsbegrenzung” existieren. Die Niedergelassenen müßten in einem demokratischen Prozess überhaupt erst mal in die Diskussion einbezogen werden. Grundsätzliche Ziele sollten über Abstimmungen (wir haben ja jetzt alle die schönen personalisierten KV-Zugangscodes!) herausgearbeitet werden. Ärzte in BaWue könnten dann vielleicht über Stundensätze abrechnen wollen, die in Bayern über Kostenerstattung und die Hamburger vielleicht über ein eigenes Sachleistungssystem. Wer da aufjault, das ginge nicht, soll erst mal etwas frische Luft der Diskussion hineinlassen in die stickige Bude. Die immer weiter verfeinerte Wahnstruktur der bürokratischen Verschlimmbesserung beschert nur weitere Monster. Das letzte dieser Aliens ist 161 Seiten fett und heißt Kodierrichtlinien. Wer schon jetzt einen exzellent kommentierten Beitrag dazu von unseren bayrischen Kollegen lesen möchte: http://tinyurl.com/24oaqkm Über etwaige Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie sich selbst.

Ein Hausarzt will kein Geld verlieren
und brav beginnt er zu kodieren.
Er sagt ganz einfach wär die Chose,
hätt er nur eine Zwangsneurose.
So quält er sich durch jedes Raster
und alles für der Kasse Zaster.

Die Kassen haben Planwirtschaft
die anders wo längst abgeschafft
Wir Ärzte werden`s nie kappieren,
jetzt gehn wir auch noch zum kodieren.

Samstag, 19. Juni 2010

Ceterum censeo

Das Grundproblem unserer ärztlichen Jammerei ist die Fesselung, die wir durch die KV erleiden und das Einkommen das wir durch die KV gewinnen.
Fessel versus Gewinn. Ein klassisches Dilemma.
So lange für die Mehrzahl der Kollegen das Einkommen ausreichend und die Fesselung erträglich ist, machen sie bei dem Unsinn mit.Punkt.
Traurig, denn der Verlust der Freiheit schmerzt die Schmärbäuche nicht aber er verhindert jede Reform im Keim.

Ich kann nur warnen.- Wer die Freiheit nicht nutzt, der nutzt sie ab!(Reinhard Mey).
Und unsere Freiheit ist so erodiert wie Sand.

Ich schlage vor, wir wählen die Freiheit. Riskieren die Sicherheit. Erzielen eine ehrliche Ordnung.

CCKVED für die Ältern: ceterum censeo KV esse delendam
und “furthermore I think the KV must be destroyed” for the more English minded.

In jedem Fall ist das genau der Punkt der dieser bräsigen Gerontokratie den Humus entziehen kann.
Wir müssen unsere Grundrechte einfordern!

Die KV ist das, was uns an der Handlung hindert. Wenn wir diesen von Interessengruppen korrumpierten Blockflötenverein zerschlagen, haben wir die Entscheidungsfreiheit zurückgewonnen.

Wir müssen dem Kuckucksei KV das warme Nest wegnehmen, wenn die Grundrechtswidrigkeit unserer Sondergerichtsbarkeit (SGB-V) abgeschafft werden soll.

Ein hohes Ziel, aber wir sind einfach nur unglaublich tief gesunken, beschämend tief gesunken, da erscheint uns ein redliches Grundrecht schon als unerreichbar hohes Ziel.

Diese Fallhöhe ist doch ein interessantes Messinstrument?

Immer wenn ich solche Heißluftkommentare in der Glotze über die bösen Grundgesetzverletzungen bei Biometriedaten in Ausweisen gesehen habe, bekam ich vor Kopfschütteln einen Torticollis. Welche unglaubliche Steigerung ist denn unsere Situation? Was bedeutet das SGB V, das ja das Grundgesetz komplett entmachtet?

Es bedeutet Folgendes:

Ausschluss vom Grundrecht auf Streik, Erpressung zu unärztlichem Verschreiben (Regressdrohung) und dann noch: Ein Monopolist bestimmt unser Einkommen!

Da ist sogar das Kartellamt stumm, denn die sind gefragt, wenn die Anzahl der Marktteilnehmer mindestens zwei sind und die sich absprechen wie ein Monopolanbieter. Aber den Monopolanbieter haben wir bereits in Form dieser KV! Der Geist des Grundgesetzes, eine Monopolstruktur durch den Zusammenschluss mehrerer Anbieter zu einem geheimen Monoppol zu verhindern, diesen Geist des Grundgesetzes haben wir bereits seit Jahrzehnten betrügen lassen. Unsere Altvorderen ließen solche Grundrechtsbrüche zu, weil sie davon profitierten. Wir aber , deren Nachfolger, haben nur die Nachteile. Das Recht ist entwertet und das Geld von den Alten verbraucht. Wir haben die Scherben.

Heute alimentiert sich die KV nur noch selbst an den ungerechten Zugriffsrechten auf die Sozialversichertenbeiträge. Die Ärzte, die früher die Nutznießer waren, sind jetzt außen vor.
Weil die Zeiten härter wurden, blieb nur noch Geld für die KV selber übrig.
Diese Gelder aus Hinterzimmerabsprachen will ich auch nicht wieder haben. Ein reelles Einkommen möchte ich sehen. Entsprechend der Anzahl meiner Patienten. Und ganz grob entsprechend des Alters, weil das in etwa der Arbeitslast entspricht. That`s it! Aber Einkommen ist sekundär.
Grundrechte für Ärzte! Das ist primär. Wir sind Bürger wie alle Deutschen. Wir haben ein Anrecht auf den Schutz durch die Grundrechte! Wir wollen diesen Schutz wieder zurückbekommen!
Gebt den Ärzten das Grundgesetz zurück! BASTA!

Zwischen uns und der Freiheit steht die KV.

CCKVED
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die KV zerstört werden muss.

K.Lischka, Kreativarzt.

Mittwoch, 16. Juni 2010


Ein Hausarzt keuchte Tag für Tag
Bis er auf einem Holzbrett lag
Es biegt sich unter einer Last
Die ihn als auch das Brett erfasst
Es sind drei Körper oder-schaften
Die seine Kraft und Kröten rafften
Ein Arzt der ihm sonst helfen könnte
Sitzt auf ihm drauf und träumt von Rente
Ein fetter Zeck von der Ka Vau
Weiss was er wiegt schon sehr genau
Und drückt mit Jenem von der Kasse
Das letzte Blut aus Doktor`s Masse
Von all den bräsig tückisch Frechen
Noch einen mehr und es wird brechen.

Mittwoch, 9. Juni 2010

"Aber ich Liebe Euch doch Alle "- Quatsch mit Mielke


Ich meine, wir sollten eine deutlichere Sprache versuchen. Dieses ständige Zurückweichen hat doch zu steter Verschlechterung des Ansehens der Ärzte und damit des Gewichtes ihrer Argumente geführt. Da konnte eine Muttl Ulla Schmidt den medizinischen Sachverstand wie ein Schnitzel weichklopfen.

Gegenagitation:

Jeder Besucher im Krankenhaus sollte gefragt werden ob er einen Organspendeausweis hat. Wenn nicht, bekommt er nur ein 10 Min Aufenthaltsrecht gegen eine Kaution von 20 Euro.
Das bringt diese unmögliche Gesetzgebung mal wieder auf die Tagesordnung.

Öffentlichkeitswirksame Regressklagen gegen Richter durch Ärzte einreichen! So lange Ärzte für Medikamentenkosten in Regress genommen werden, so lange sollten Richter für alle nachinstanzlich korrigierten Urteile in Regress genommen werden. Wobei der Arzt dem behandelten Patienten immerhin Nutzen zukommen ließ, der Richter den Angeklagten aber Schaden.

Wir Ärzte sollten die gesetzliche Grundlage der Heilpraktiker angreifen. Jene Leute sind als Ärzte kostümierte Laien. Nur verkennen das die meisten Patienten. Ebenso, wie ein Warnhinweis auf den Zigarettenschachteln steht, so sollte jeder, der sich dort “in Behandlung” begibt eine Information unterschreiben auf der steht, was der Praktiker nicht ist(Arzt) und dass der Patient sich auf eigene Verantwortung in dessen Macht begibt.

Mit solchen und ähnlichen Rüpeleien könnte mal ein bisschen frischer Wind in den unterwürfigen Multikulti "ich Liebe Euch doch Alle Quatsch" kommen. Dann müssen wir nicht mehr jeder lahmen fetten alten “Zweiklassenmedizin”- Zeitungsente hinterherjagen. Wir reden mit Mohl oder Murdoch selber.

Dienstag, 18. Mai 2010

CAVE: In Deutschland nicht Hausarzt werden!

Gründe kein Hausarzt in Deutschland zu werden.



Es gibt eine satte Menge von Gründen sich nicht zum Hausarzt in Deutschland machen zu lassen.

Weil es aber so einen gewaltigen Bedarf an gut ausgebildeten, freundlichen und lebenserfahrenen Hausärzten gibt, will ich ein Gegenkonzept erwähnen, das bei allen Schwächen, die real existierende Systeme haben müssen, dem deutschen doch in den bedeutendsten Punkten grandios überlegen ist. Das Vocational Training Scheme der britischen General Practitioners.

Weshalb ist es eine Zumutung in Deutschland Hausärztin/Hausarzt zu werden?

Weil er zu Strafzahlungen verurteilt werden kann, die ihm alles nehmen was er je erwirtschaften konnte. Er ist dann schlicht pleite. Und das nicht weil er zu viel eingenommenes Geld zurückgeben würde, sondern ausschließlich, weil man ihm das Überschreiten von Rezeptkosten vom Einkommen abzieht. Das können Beträge von 40 000.- bis 600 000.- sein. Kein anderer Beruf erlebt das. Man hat ja auch dafür ein eigenes Gesetz erschaffen müssen. Man nennt das Überschreitung der Richtgrößen oder “Regress”. Tolles Wort. Das ist eine ganz reale Katastrophe für den Betroffenen. Kann man jemandem raten so ein Risiko nur durch die Berufsausübung zu übernehmen?

Weil er bei besonderem Erfolg unter den Patienten oder bei konkurrenzloser Arbeit in ländlicher Umgebung so viele Patienten hat, dass er bis zur Erschöpfung arbeiten muss. Na das wäre kein Grund zu jammern, das gehört zum Beruf. Aber was nicht dazu gehört ist, dass dem dermaßen fleißigen Arzt ab einer bestimmten Zahl von Patienten nicht etwa ein Bonus für besonderes Engagement an der Erschöpfungsgrenze bezahlt wird, sondern im Gegenteil, ihm Geld einfach abgezogen wird. Würden 2 Ärzte die hohe Zahl an Patienten teilen können, dann würde beiden in der Summe deutlich mehr gegeben als dem einen der sich kaputt arbeitet. Man nennt das “Abstaffelung”. Tolles Wort. Eine Ungerechtigkeit zum Gelb anlaufen und ein finanzieller Flurschaden. Kann man so etwas einem Berufsanfänger empfehlen?

Weil die Bezahlung der vom Arzt erbrachten Leistung bei einer Obergrenze einfach beendet wird. Wenn er auch ein Vielfaches geleistet hat, die soundsovielte Tröstung des seelisch angeschlagenen Patienten ist einfach unbezahlt. Basta! Wenn aber nicht trickreich die letzte (auch unnötige ) Ultraschalluntersuchung bei Patient XY durchgebügelt wurde, dann bleibt er unter seinen finanziellen Möglichkeiten jederzeit zurück. Er hat also nicht mal eine faire Pauschale, die ihm ein Einkommen garantiert. Nach unten kann er immer verlieren, nach oben aber hat er eine Decke eingezogen bekommen die auch mit noch so viel Fleiß nicht gelupft wird. Wie ein Laufen über heiße Kohlen. Wer nicht schnell genug läuft wird bestraft. Der hetzende “Hamsterradarzt” ist der traurige Don Quichote, der die Windmühlen attackiert. Die Patienten sind eine Randerscheinung in dem BWL-Spiel.
Man nennt das “Leistungsbegrenzung” und “Regelleistungsvolumen”. Tolles Wort. Kann man diese Hechelei nach dem Einkommen weiterempfehlen?

Weil dem Arzt aus der Logik der nach oben begrenzten aber nach unten reduzierbaren Einkommen unterstellt wird, er würde sicher betrügen und mehr Patienten abrechnen als er gesehen habe, bekommt er eine maximale Arbeitszeit im Quartal fix vorgegeben. Und pro Tag darf er nicht mehr als 12 Stunden arbeiten. Wenn er 3 Tage über 12 Stunden gearbeitet hat, wird er wegen Betrug überprüft. Wie geht die Arbeitszeitfeststellung? Einfach und verkehrt: An eine Abrechnungsziffer wird einfach eine Mindestminutenzahl gekoppelt und wenn der Arzt unter dem Druck des vollen Wartezimmers und mit der Hilfe seiner jahrelangen Routine eine Konsultation schneller erledigt als die Vorgabe, dann gilt die Leistung als nicht erbracht. Auch wenn sie von der Qualität her erbracht worden ist! Es ist ja nicht so, dass der Arzt gerne schnell arbeitet. Nur, was soll er tun, wenn das Wartezimmer brechend voll ist und er nicht weiß wie viele schwer Kranke darunter sind, bevor er sie einzeln untersucht hat? Soll er dann nichts abrechen, nur weil ihn die Umstände zum Hetzen zwangen? Soll er die Leute heimschicken, weil ein Regelwerk die Realität nicht aushalten muss, nur der Arzt muss sie bedienen? Man nennt das “Minutenwert der Aberchnungsziffern”. Tolles Wort. Stete Bedrohung für Ärzte mit großen Praxen, als “Betrüger” vor Gericht gestellt zu werden. Kann man diesen Beruf unter Generalverdacht einem Berufsanfänger empfehlen?

Weil alle die obigen Bedrohungen oder finanziellen Bestrafungen über die Jahre der Berufstätigkeit vom Arzt verinnerlicht werden und bereits in einem vorbewussten Entscheidungsraum in reales Verhalten übertragen werden. Eine Reflexion findet aus arbeitsökonomischen Zwängen nicht mehr statt.
Einfacher gesagt, der Arzt wird dressiert ein bestimmtes Verhalten zu zeigen und er merkt es nach Jahren gar nicht mehr! Er ist durch eine Schule der Anpassung gegangen und ist letztlich ungeheuerlich manipuliert worden. Er verschreibt schlechtere aber billigere Medikamente, er verheimlicht teure Alternativen und schiebt Krankengymnastikbedarf an Fachärzte weiter. Er ist ein schlechterer Arzt geworden!
Ärztliche Entscheidung sollte auf optimale Patientenbehandlung gerichtet sein. Aber wer durch diese bis zur finanziellen Vernichtung reichende Bedrohung seiner Person und seiner Praxis sich das Verhalten manipulieren ließ ,der hat er seine innere Freiheit verloren.
Ärztliche Freiheit hieß einmal, sich als starker Kämpfer für die Bedürfnisse der Kranken ins Zeug legen zu können. Dazu passte der Begriff der Freiberuflichkeit. All das ist verloren. Denn die Freiheit die man nicht benutzt, nutzt sich ab ( Reinhard Mei). Jetzt ist sie weg, und so einen manipulierten, bedrängten und finanziell potentiell ruinösen Beruf soll man einem jungen Kollegen empfehlen?

Da habe ich noch gar nichts gesagt von der Entlohnung, die bei “guter Führung” sprich Anpassung an jede Forderung der Manipulateure überhaupt am Ende herausspringen kann. Und das will ich auch nicht. Denn diese Diskussion gehört nicht in den Mittelpunkt. Dass Ärzte nach dem Studium und jahrelanger Verantwortung in der Klinik meist 12 Jahre Ausbildung bewältigen, bevor sie eigenverantwortlich Patienten behandeln rechtfertigt ein besseres Einkommen als sie haben. Aber Geld ist ja wirklich nicht der einzige Grund für diesen Beruf.

Wer ordentlich Geld verdienen will und glaubt, seine hohe Leistungsfähigkeit verdiene auch eine angemessene Vergütung, der sollte Gastarzt in Krankenhäusern werden. Damit kann man das verdienen, was ein Arzt verdienen sollte, der das bekommt was er sich verdient hat. Kohle satt.


Wer gute Hausarztmedizin erbringen will, der sollte nach England gehen und zumindest noch 1 Jahr als Trainee in einem Vocational Training Scheme mitmachen, bevor er sich zur Mitarbeit in einer britischen Praxis bewirbt. Wer mir hier widersprechen will, der sollte das erst einmal getan haben. Die arroganten deutschen Kommentare über die Systeme anderer Länder sind peinlich. Diese Ignoranz ist allerdings nur eine Facette der Hybris, die unser System so deformiert hat wie ich es hier beschrieben habe. Diese Arroganz erstreckt sich eben auch auf den Umgang mit den Kollegen.

Ich kann es niemandem empfehlen Hausarzt in Deutschland zu werden.
Erst wenn man die Ärzte hier vermissen wird, wird man bemerken was sie wert waren.